Rezension zu „Sterbegeld“ von Judith Winter

Was lange währt wird endlich gut. Ich habe meinen ersten Kriminalroman hinter mir! Ob es mir gefallen hat oder ob ich das Genre zukünftig eher wieder vernachlässige??

Lest selbst 🙂

 

„Überzeugungen sind oft die gefährlichsten Feinde der Wahrheit.“ Friedrich Nietzsche

„Ying dan fei yáng qún jí – Adler fliegen allein, Schafe gehen in Herden“, (S. 296, Judith Winter – Sterbegeld)

Es ist der 10. November 2014. Um 19.46 Uhr geht bei der Polizeieinsatzzentrale in Frankfurt der Anruf eines kleinen Jungen ein. Völlig verängstigt bittet er um Hilfe, gibt die Adresse von Zuhause durch und bekommt gerade die Empfehlung, sich unter seinem Bett zu verstecken, als es in der Leitung knackt. Die Polizeibeamten kommen zu spät. Der Junge und seine Familie wurden kaltblütig ermordet. Acht Monate später wird Thorsten Mohr, Polizeibeamter der Abteilung für Kapitaldelikte der Zentralen Kriminaldirektion Frankfurt am Main, bei einer Razzia getötet. Kurz vor seinem Tod scheint dieser die vorgeschriebene Schutzweste abgelegt zu haben. Alles deutet auf eine undichte Stelle innerhalb der eigenen Reihen hin. Zur selben Zeit tauchen neue Beweise im Fall der ermordeten Familie Svensson auf, weshalb die Untersuchungen wieder aufgenommen werden. Besteht etwa ein Zusammenhang?

Mit ihrem Kriminalroman „Sterbegeld“ hat Judith Winter meine Nerven ganz schön herausgefordert. Wer mich kennt weiß, dass dieses Genre nicht meine Vorzüge genießt. Ich muss sogar gestehen, es war mein erster Kriminalroman und er hat mich vollkommen gefesselt!

Emilia Capelli und Mai Zhou haben die beneidenswerte Aufgabe bekommen, den Fall um die vierköpfige Familie wieder aufzurollen, aufgewirbelt durch den Mord an einem Kollegen. Damit verbunden werden sie von der internen Revision beauftragt, ein „schwarzes Schaf“ innerhalb der Sondereinsatzgruppe „Calibri“, der der ermordete Kollege angehört hatte, ausfindig zu machen. Letzteres ist insbesondere Capelli zuwider, da sie viele der Kollegen jahrelang kennt, zusammen mit ihnen ausgebildet wurde und sich dadurch die ein oder andere Freundschaft entwickelt hat. Dieser Fall kann also nur mit bitteren Enttäuschungen enden. Auf die genauen Geschehnisse und Ermittlungen möchte ich hier gar nicht näher eingehen, da ich schnell Gefahr laufen würde, zu viel zu verraten. Man bekommt einen sehr guten Einblick in die Arbeit der Ermittlerinnen und fängt schnell an zu kombinieren. War ich anfangs noch der Meinung, der richtige Täter sei dingfest gemacht, wandelte sich diese Auffassung spätestens nach der Befragung im Hause Welsch. Bereits nach wenigen ersten Kapiteln schleusen sich immer wieder neue Figuren wie z.B. Iris Molder, die Frau mit den vielen Identitäten, oder Jonah der Straßenjunge und Ex-Junkie, in die Geschichte ein, die später ein wichtiger Bestandteil des Großen und Ganzen werden. Gegen Ende hin präsentiert Zhou dem Staatsanwalt dann eine ihrer Theorien zum Mordfall der Familie Svensson. Im Anschluss daran wird der Fall um den ermordeten Thorsten Mohr aufgeklärt, der es mit Verhören samt Verfolgungsjagd in sich hat und in einer Schießerei seinen Höhepunkt findet.

Fazit: Dieser Roman hat viel Spannung zu bieten und das nicht nur in der ersten Szene, in der man den Mord an der vierköpfigen Familie hautnah miterlebt! Ich saß des Öfteren fassungslos auf dem Sofa und war völlig verwirrt, über die Wendepunkte innerhalb der Geschichte. Die Charaktere sind lebendig veranschaulicht, der gesunde Perspektivenwechsel führt dazu, dass man ganz in der Situation ist und die Szene hautnah miterleben und nachempfinden kann. Was mir allerdings viel zu kurz kam, war die Auflösung des Svensson Falles. Mai Zhou präsentiert dem Staatsanwalt (übrigens Capellis Ex-Freund, was eine tolle Note in das Geschehen gebracht hat 😉 ) ihre Theorie, die sie bis dato nicht einschlägig beweisen kann und plötzlich wird über den Fall kein Wort mehr verloren, weshalb man davon ausgehen muss, dass dies nun des Rätsels Lösung sein muss. Spannung verliert der Krimi dadurch keinesfalls, denn immerhin ist noch nicht klar, wer denn nun die undichte Stelle in den eigenen Reihen ist. Charmant wird der Roman mit einer persönlichen Note der beiden Ermittlerinnen abgerundet was mir sehr gut gefallen hat. Das Buch hat sich flüssig lesen lassen und mir so manche Zitterpartie unter der Bettdecke beschert – ich gebe es zu. Aber genau das sollte ein Krimi meiner Einschätzung nach auch bewirken. Die einzelnen Kapitel haben klassisch mit Datum, Ort- und Zeitangabe begonnen, was einen an polizeiliche Berichte erinnert und bereits ein gewisses mulmiges Gefühl erzeugt. Judith Winter benutzt für meine Begriffe vermehrt Fremdwörter, was manchen Stellen das schnelle Lesen entzogen hat. Alles in allem trotz kleiner Ecken und Kanten ein richtig gutes Buch zum Mitfiebern! Mit Lösung und doch irgendwie offen gelassen, regt der Roman zum Nachdenken an und beschert intensive Lesestunden. Definitive Kaufempfehlung!

 

Kleine Anmerkung der Redaktion: Nach dem ich den Krimi gelesen habe und die beiden Ermittlerinnen Capelli und Zhou gar nicht gehen lassen wollte, weil sie mir so ans Herz gewachsen sind, habe ich festgestellt, dass Judith Winter noch zwei weitere Bände geschrieben hat (1.Band: „Sieben Schön“, 2. Band: „Lotusblut“). Eventuell ja auch etwas für euch?! So, ich bestelle dann mal die Bücher…. 😀

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Rezension zu „Selection“ von Kiera Cass

Sonntag ist Rezi-Zeit! Hier meine Rezension zum Band 1 der Beststeller-Serie von Kiera Cass.

„Prinzessinnen der Königsfamilie sollten in arrangierten Ehen mit anderen Königshäusern untergebracht werden, um die politischen Beziehungen mit diesen Ländern zu festigen. […] Prinzen dagegen verheiratete man mit Frauen aus dem Volk, um die Moral unserer bisweilen instabilen Nation aufrechtzuerhalten. […] Beide Varianten der Verheiratungspraxis gefielen mir gar nicht. Und bei der Vorstellung, vor den Augen des gesamten Volkes an einem Castingwettbewerb teilzunehmen, bei dem dieser aufgeblasene Angeber sich das attraktivste und oberflächlichste Mädchen aussuchen durfte, […] hätte ich schreien können. Etwas Demütigenderes gab es wohl kaum.“ (S. 12 aus ‚Selection‘ von Kiera Cass).
35 perfekte Mädchen – und eine von ihnen wird erwählt. Sie wird Prinz Maxon, den Thronfolger des Staates Illeá, heiraten. Für die hübsche America Singer ist das die Chance, aus einer niedrigen Kaste in die oberste Schicht der Gesellschaft aufzusteigen und damit ihre Familie aus der Armut zu befreien. Doch zu welchem Preis? Will sie vor den Augen des ganzen Landes mit den anderen Mädchen um die Gunst eines Prinzen konkurrieren, den sie gar nicht begehrt? Und will sie auf Aspen verzichten, ihre heimliche große Liebe?
In dem ersten Band der Reihe „Selection“ von Kiera Cass wird man mitgenommen auf eine Reise in den Staat Illeá. Der Staat ist in unterschiedliche Kaste eingeteilt und gibt den Beruf vor, in den man sozusagen hineingeboren wird. America Singer ist eine Fünf und dementsprechend Musikerin und Künstlerin. Sie trifft sich heimlich mit Aspen, einer Sechs. Aufgrund dessen, das er einer schlechter gestellten Kaste angehört, dürfen die beiden sich per Gesetz eigentlich nicht lieben. America geht für ihre große Liebe jedoch jedes Risiko ein und ist sehr glücklich damit. Bis Aspen ihr eines Abends mitteilt, er könne nicht mehr mit ihr zusammen sein. Zu dieser Zeit steht in Illeá ein großer Castingwettbewerb an, zu dem alle jungen Mädchen per Brief angeschrieben werden und sich bewerben können. Aus den Bewerbungen werden 35 Mädchen ausgewählt. Ihnen wird die Ehre zuteil, den Prinzen kennen zu lernen und – sofern sie das Casting für sich entscheiden – dessen Frau zu werden. Weil ihre Mutter darauf besteht, dass America sich bewirbt, willigt sie ein. Nicht zuletzt auch, weil Aspen sie darum gebeten hat. Und weil sie sowieso niemals damit gerechnet hat, tatsächlich für das Casting ausgewählt zu werden. Und so nimmt das Spiel seinen Lauf…
Kiera Cass erzeugt eine Welt, in die man gerne eintaucht. Sie verzaubert die Sinne und nimmt uns mit auf eine märchenhafte Reise. Die Bedingungen, die der Staat festlegt und die Einteilung der Welt in Kasten erinnerte mich anfänglich ein wenig an die Tribute von Panem. Mit dem Hauptthema scheiden sich die Geister dann natürlich. Auch die Frage wie man jemanden lieben lernen kann, den man anfänglich teilen muss, und auch erst einmal gar nicht kennt, wird sehr reell aufgegriffen. Nicht nur aus der Sicht der Mädchen, sondern auch aus der Sicht des Prinzen. Ich stelle es mir sehr schwierig vor, zu differenzieren, welches Mädchen an ihm als Mensch interessiert ist und welches nur in der Gesellschaft aufsteigen und damit die gesamte Familie aus der Armut holen will. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und bin gespannt wie es weiter geht. Ein wenig Klischee ist sicher dabei, dennoch reagiert America sehr oft anders, als ich es erwartet hätte. Das macht es dann doch wieder sehr spannend. Die Sprache ist leicht und flüssig und die Gedankengänge nachvollziehbar dargestellt. Kiera Cass beschreibt sehr akribisch die Räumlichkeiten innerhalb der Szenen, man kann sich alles detailliert ausmalen.
Dieses Buch ist für all diejenigen, die romantisch veranlagt sind und an einem kalten Wintertag gerne mit Schokoladeneis oder Kakao und Keksen eine herzerwärmende schöne Liebesgeschichte mit etwas Gefühlschaos und allem was dazu gehört genießen.

Also Mädels, weiten Pulli anziehen, dicke Socken und ab aufs Sofa mit Kiera Cass ein bisschen träumen… 🙂

Leseeindruck zu „Sterbegeld“ von Judith Winter

Hallo ihr Lieben,

letzte Woche habe ich bei vorablesen.de mal wieder einen Leseeindruck verfasst. Jede Woche kann man dort einen solchen Leseeindruck zu Büchern verfassen und hat so die Chance, eines von 100 Vorab-Exemplaren zu gewinnen und das begehrte Buch noch vor dem Erscheinungsdatum lesen zu dürfen. Immer Dienstags wird dann ausgelost, weshalb dieser Wochentag unter Vorablesern als berühmt berüchtigter „Hibbel-Dienstag“ bezeichnet wird.

Diesmal habe ich mich – für mich völlig untypisch – um einen Kriminalroman beworben. Das ist normalerweise überhaupt gar nicht meine Richtung, aber nach der Leseprobe war ich so neugierig, dass ich den Sprung einfach gewagt habe. Und siehe da – mein Beitrag wurde tatsächlich aus über 300 Leseeindrücken ausgewählt und ich darf mich nun auf meinen ersten Kriminalroman freuen!

Die Rezension werde ich natürlich wieder hier veröffentlichen. Bis dahin dürft ihr euch gerne mit meinem Leseeindruck vergnügen. 🙂

Und los geht’s…

Am 10. November 2014 geht um 19.46 Uhr in der Polizeieinsatzzentrale in Frankfurt am Main der Anruf eines sechsjährigen Jungen ein, der voller Angst und Panik versucht, seine Mutter und sich selbst zu retten und Hilfe zu holen. Zu diesem Zeitpunkt sind sein Vater und seine kleine Schwester bereits tot. In das Haus der Familie ist ein Mörder eingebrochen, der skrupellos und völlig kaltblütig eine ganze Familie auslöscht. Denn als die Polizei am Tatort eintrifft, ist es auch für den kleinen Leon und seine Mama zu spät.
Acht Monate später wird ein Kollege der Ermittlerinnen Emilia Capelli und Mai Zhou, Thorsten Mohr, bei einer Razzia umgebracht. Kurz zuvor hatte er seine Schutzweste abgelegt. Niemand weiß warum. Gibt es Verräter in den eigenen Reihen?
Zur selben Zeit wird der Fall der ermordeten Familie wieder aufgerollt. Möglicherweise wurde damals der falsche Täter gefasst. Stehen die beiden Fälle eventuell im Zusammenhang? Und wenn ja, wie?
Die Leseprobe fängt bereits sehr schockierend an. Man wird direkt in die Situation mitgenommen, in der der Mörder ein Blutbad im Hause der vierköpfigen Familie anrichtet. Die Angst, die das Opfer gespürt hat, überträgt sich beim Lesen förmlich. Als die Kommissare der Polizei am Tatort eintreffen, herrscht völliger Nervenkitzel. Zu erleben, wie die beiden Beamten mit dieser Situation umgehen, wie sie denken und fühlen, das auch sie Angst haben das Haus zu betreten, verleiht der Geschichte einen interessanten Perspektivenwechsel. Dies geschieht auch in der Situation, als der Anwalt seinen neuen Mandanten, den vermutlichen Mörder, im Gefängnis besucht und sich als Pflichtverteidiger vorstellt. Man bekommt einen Eindruck, wie sich der Anwalt fühlt und was er wirklich denkt. Dieser Blick hinter die einzelnen Fassaden der Menschen, die eigentlich immer stark sein müssen, distanziert um ihren Job machen zu können, nüchtern und objektiv handeln sollen, um einen solchen Fall klären zu können, aber das Mensch-sein nicht verlieren dürfen, das fasziniert und fesselt mich zugleich. Die andere Seite: Wie kann ein Mensch einem anderen Menschen solche Grausamkeiten zufügen? Welche Motive verleiten jemanden zu solch unmenschlichen Taten? Warum? Hat so jemand keine Gefühle, kein Gewissen? Welche Gedanken schießen einem da durch den Kopf, um völlig abgedreht zu handeln und Kinder in den Tod zu reißen? Eine Familie auszurotten?
Auch das Cover wirft eine Flut an Fragen bei mir auf. Es wirkt sehr düster und dennoch schlicht. Der Käfer, ich vermute es ist ein Hirschkäfer, mit seinem roten Panzer und Blutspuren auf einem trockenen Erdboden voller Geäst, hat etwas unbehagliches. Die großen Scheeren vorne in Form eines Geweihs vermitteln einen angsteinflößenden und andwidernden Eindruck. Wie der Titel „Sterbegeld“ dazu passt, bleibt etwas offen und kann in mehrere Richtungen gehen.
Normalerweise sind Krimis so überhaupt gar nicht mein Genre, doch dieses Buch scheint ein Geheimnis in sich zu tragen, was mich neugierig macht, an dem ich nicht vorbei komme. Warum genau das so ist kann ich schwer erklären. Vielleicht sind es die verschiedenen Perspektiven, die mich so kriegen, weil ich sie gerne verstehen und nachvollziehen möchte oder einfach nur die Denkweise dahinter, warum Menschen fähig sind, anderen etwas so Schreckliches anzutun.
Durch diese Leseprobe würde ich mich zum ersten Mal zu einem Kriminalroman hinreißen lassen und gebannt das Auflösen der beiden Fälle mitverfolgen.

Rezension zu „Nur einen Horizont entfernt“ von Lori Nelson Spielman

Ich habe lange nichts mehr von mir hören lassen….gelobe Besserung!!!! Hier meine Rezension zu Lori Nelson Spielmans Roman „Nur einen Horizont entfernt“.

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„Verzeihen heißt, einen Gefangenen zu befreien und zu entdecken, dass man selbst der Gefangene war.“ Lewis B. Smedes
„Lerne, mit der Ungewissheit zu leben! Nur törichte Menschen lassen sich von falscher Sicherheit trösten“, (S. 338, Lori Nelson Spielman – Nur einen Horizont entfernt)
In ihrem Roman ‚Nur einen Horizont entfernt‘ greift Lori Nelson Spielman ein allgegenwärtiges Thema auf: Vergebung.
Hannah Farr ist TV-Moderatorin in New Orleans. Eines Tages erhält sie einen Brief ihrer alten Schulfreundin, dem zwei kleine Steine und eine Anleitung beiliegen. ‚Ein Stein symbolisiert die Last des Zorns, der andere steht für die Last der Reue. Beides kann Dir genommen werden, wenn Du bereit bist, Dich davon zu trennen‘, steht auf dem kleinen Zettel. Ein Stein soll als Zeichen der Vergebung zurück gesendet, der zweite an jemanden geschickt werden, den man selbst um Verzeihung bitten möchte. Hannah muss nicht lange überlegen um zu wissen, dass sie ihre Mutter um Verzeihung bitten würde. Aber Hannah weiß, was es bedeutet, diesen Schritt zu gehen. Sie müsste ihre gesamte Vergangenheit noch einmal aufarbeiten. Und sie ahnt, dass das ihr Leben komplett auf den Kopf stellen wird. Aber mit der Wucht des Aufpralls hat sie nicht gerechnet…
Eigentlich ist Hannahs Leben gut so wie es ist. Eigentlich. Und eigentlich macht ihr Job ihr Spaß. Eigentlich. Wären da nicht Stuart und Priscille, ihre Chefs, die ihr ständig Vorträge über zu schlechte Quoten halten, aber im Gegenzug jeden ihrer Verbesserungsvorschläge ablehnen. Eigentlich kann sie sich keinen besseren Mann als Michael, den stadtbekannten Bürgermeister, an ihrer Seite vorstellen. Eigentlich. Sie wartet schon ewig auf seinen Heiratsantrag, aber es tut sich nichts. Von seiner Tochter Amy, der Kratzbürste, ganz zu schweigen. Und dann wäre da noch der Bruch zwischen ihr und ihrer Mutter samt ihrer Vergangenheit in Michigan, den sie scheinbar nie so ganz überwunden hat.
Durch die Versöhnungssteine, die ihre Freundin ihr zuschickt, gerät Hannahs Welt ordentlich ins Wanken und so manch wahres Gesicht offenbart sich ihr. Aber erst als sie sich zu sich selbst bekennt und für das einsteht, was ihr wichtig ist, wendet sich das Blatt.
Ich glaube wir alle haben irgendwie ein bisschen von Hannah in uns. Jeder schaut früher oder später auf sein Leben zurück und hinterfragt getroffene Entscheidungen. Die Autorin greift das Thema sehr schön verpackt in der Geschichte um die Versöhnungssteine auf. Sie verdeutlichen die Schritte die ein Mensch tun muss, um inneren Frieden und ein besseres Miteinander zu schaffen. Ich kann mich gut in Hannah hineinversetzen und ich denke so eine Phase durchlebt jeder von uns. Eigentlich ist alles ganz okay, bis man feststellt, dass man eigentlich etwas ganz anderes will. Aber wie soll man wissen, das man es will, wenn man es vorher gar nicht gekannt hat oder dachte, das was man hat ist das Ultimative? Der Roman hat mich sehr nachdenklich gestimmt und die vielen weisen Worte haben mir etwas mitgegeben. So auch das oben genannte Zitat  „Lerne, mit der Ungewissheit zu leben! Nur törichte Menschen lassen sich von falscher Sicherheit trösten.“
Ganz oft im Leben suchen wir nach Sicherheit und etwas das ohne Zweifel ist, Beständigkeit und etwas das uns hält. Jedoch halten wir dadurch viel zu oft an Dingen fest, die nicht richtig für uns sind oder täuschen uns somit über die unverfrorene Wahrheit hinweg. Dabei ist es ganz oft die Ausrichtung unserer Gedanken, die derselben verfahrenen Situation eine völlig neue Richtung geben können.
Verzeihen kostet Zeit. Und etwas Wertvolleres kann ein Mensch nicht geben. Warum nicht auch sich selbst Zeit geben um zu verstehen? Um zu verstehen, wer man wirklich ist. Und wohin man will. Denn jeder Weg, so lang er auch sein mag, ist es wert, gegangen zu werden. Am Ende wird alles gut. Und solange es nicht gut ist, ist es auch nicht das Ende.