Leseindruck zu „Du hättest es wissen können“ von Jean Hanff Korelitz

Heute habe ich mich mal wieder bei den neuen Titeln auf vorablesen.de umgeschaut und ein Buch entdeckt, das meine ganze Aufmerksamkeit bekommen hat. Also habe ich direkt einen Leseeindruck verfasst und bin schon jetzt auf Dienstag gespannt! Hiiier also mein Leseeindruck für euch. Drückt mir die Daumen, dann könnt ihr vielleicht schon bald eine neue Rezension von mir lesen. 😉

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Grace Reinhardt Sachs ist Paartherapeutin und hat einen Beziehungsratgeber mit dem Titel „Du hättest es wissen können“ geschrieben, der nun kurz vor der Veröffentlichung steht. Sie glaubt das perfekte Leben zu leben. Ihr Mann ist ein renommierter Kinderarzt, der Sohn geht auf eine Privatschule. Als die Mutter eines Mitschülers ermordet wird, kann Grace ihren Mann nicht erreichen. Und in diesem Moment beginnt sie das erste Mal zu begreifen, dass sie selbst es hätte wissen können. Und vielleicht hat sie sich selbst auch nur etwas vorgemacht…

In der Leseprobe erlebt man das Interview der Vogue-Redakteurin Rebecca Wynne mit Grace über ihren Ratgeber. Es ist fast als stünde man neben den beiden in dem kleinen Therapieraum und säße ebenfalls auf der Couch. Denn so wie Grace Rebecca antwortet und ihre Ansichten des Romans vertritt, fühlt man sich bereits als würde man soeben selbst therapiert. Sehr direkt und klar formuliert sie was sie denkt. Über gescheiterte Beziehungen und gescheiterte Ehen, bei denen man schon von vornherein – wäre man nur ehrlich genug zu sich selbt gewesen – hätte wissen können, dass diese nicht funktionierten. Unumwunden und unverblühmt spricht sie diese Thematik an.
Am eindrucksvollsten finde ich Grace’s Vergleich auf Seite 22: „Ich meine, was machen wir da? Wir probieren zwanzig Paar Schuhe an, bevor wir welche kaufen. Wir lesen Berichte von völlig fremden Leuten, bevor wir uns entscheiden, wer unseren Teppich verlegt. Aber wir schalten unseren Dummheiten-Detektor aus und schlagen unsere unvoreingenommenen Eindrücke in den Wind, weil wir jemand anziehend finden oder weil er sich für uns zu interessieren scheint. Er könnte auch ein Plakat hochhalten, auf dem steht: Ich werde dir dein Geld abknöpfen, deine Freundinnen anbaggern und dich ohne Hilfe und Unterstützung zurücklassen, und wir fänden noch immer einen Weg, zu vergessen, dass wir das alles gewusst haben. Wir werden einen Weg finden, es nicht wissen zu wollen.“ Genau das trifft es schon ziemlich genau auf den Punkt. Spannend wird es, wenn man durch den Klappentext bereits weiß, in die Geschichte wird ein Mord mit eingebaut. Hier kann ich mir noch nichts Genaues vorstellen, man erfährt in der Leseprobe rein gar nichts dazu. Das macht sehr neugierig. Mich würde auch interessieren, welchen Wahrheiten Grace in ihrem eigenen Leben dann entgegen treten muss, wo doch vorher alles so perfekt erschien. Allgemein gilt heutzutage ja auch die stillschweigende Annahme, Therapeut würde man nur werden, wenn man selbst einen Therapeuten brauchte, um Dinge zu verarbeiten oder zu verstehen, die einem bis dato im Leben zugestoßen sind. Ob das wohl auf Grace zutrifft? Dabei wirkt sie so stark, so unerschrocken, direkt, ehrlich, präzise und überaus klug.

Das Cover zum Buch gefällt mir sehr gut. Ein roter runder Kreis um den sich alles dreht und darin die unvermeidbare, nackte Wahrheit „Du hättest es wissen können“ in einem wolkenverhangenen Himmel über einer Stadt die vernebelt und grau daherkommt und vermutlich fast niemals schläft. Sehr passend zur Geschichte oder zumindest dem, was ich bisher lesen durfte. Auch der Titel birgt vieles in sich. Zweifel, Angst, Vorwürfe gegenüber sich selbst. Wahnsinnig spannend und ich würde zu gerne wissen, wie es mit Grace und ihrem Leben weiter geht.