Ein verrückter Tag in Ravensburg

Letzte Woche Freitag verschlug es mich nach Ravensburg. Vordergründig wegen eines Eishockeyspiels am Abend, aber in der Altstadt fiel mir ein kleiner Buchladen auf, an dem ich nicht so ohne Weiteres vorbeigehen konnte. Ich stöberte ein bisschen und während ich die Regale durchforstete, bekam ich ein Gespräch zwischen einer Kundin und der Verkäuferin mit. Die Kundin suchte ein Buch für ein 21jähriges Mädchen, dass nicht zu flach sein sollte. Tiefgründig, aber auch nicht allzu schwierig zu lesen. Sie hielt den neuen Roman von Cecelia Ahern „Das Jahr, in dem ich dich traf“ in den Händen – zufällig genau der Schmöker, den ich gerade lese. „Gute Wahl“, schoss es mir direkt durch den Kopf. Mit dieser Autorin kann man nichts falsch machen. Sie ist eine meiner Lieblingsautorinnen und hätte man mich gefragt, so hätte ich der Kundin eines ihrer Bücher empfohlen. Ob Vielleser oder Neuling, Cecelias Bücher bereiten in jedem Fall Freude. Und sie halten definitiv zum „Mehrlesen“ an!

Die Verkäuferin allerdings – eine ältere Dame und auf die Frage der Kundin etwas überfordert wirkend – antwortete schnell, dass das nicht das richtige Buch sein könne, Frau Ahern schreibe ja viel zu oberflächlich, um dann erst einmal einen Blick auf den Klappentext zu werfen, um herauszufinden von was genau das Buch überhaupt handelt. Halb erstarrt legte ich das Buch, was ich mir gerade angesehen hatte, weg und kam nicht umhin dem Gespräch weiter zu folgen. Wirr zog die Verkäuferin irgendein Buch aus dem Regal und sagte knapp, dieses sei viel sinniger.

Als ich merkte, wie es in mir brodelte, ging ich in die entgegengesetzte Richtung zur Kasse. Mir ließ das allerdings keine Ruhe. Ich konnte und wollte diese Aussage unmöglich so stehen lassen. Also ging ich statt zum Ausgang doch noch einmal zurück zu den beiden und mischte mich kurzerhand ein. Als ich sagte, dass das Buch für eine 21jährige perfekt ist und zum Verschenken ideal und vor allem, dass die Autorin definitiv NICHT oberflächlich schreibt, fiel der Verkäuferin wortwörtlich alles aus dem Gesicht. „Nicht oberflächlich? Na ja, aber sie schreibt sehr einfach“, entgegnete sie mir. „Das mag ja sein. Das hat dennoch nichts mit oberflächlich zu tun.“ Ich sah sie direkt an. „Kommt jetzt darauf an, wie man das interpretiert“, entgegnete sie eher hilflos. Ah ja. Weil etwas „einfach“ geschrieben ist, heißt das in meinen Augen nicht, dass dahinter kein tiefergehender Gedankengang stecken kann. Was bitte bringt der tiefgründigste Text, wenn er so schwierig und verschachtelt geschrieben ist, dass kaum einer etwas für sich daraus ziehen kann?

Die Kundin blickte zwischen uns hin und her und schloss die Diskussion mit den Worten „also wenn Sie sagen, dass das Buch ideal ist, vertraue ich mal auf Ihre Meinung“. Ha! Ich hätte doch beruflich irgendetwas mit Büchern machen sollen. Ich verlange nicht, dass jeder jedes Buch gelesen haben muss oder davon begeistert sein sollte (es gibt immer Bücher, die dem einen mehr und dem anderen weniger gefallen – und das ist auch gut so, Geschmäcker sind eben verschieden!), aber so pauschal über ein Buch, einen BESTSELLER, dermaßen abwertend zu urteilen, der auf der weltweiten Rangliste ganz oben steht… das geht für mich gar nicht.

Ich ging und ließ die beiden mit meiner klaren Meinung zwischen all den Bücherstapeln weiter suchen. Am Ende würde mich zugegeben schon interessieren, ob sie es tatsächlich gekauft hat und ob es nun ein Mädchen mehr auf der Welt gibt, was von Cecelias Worten genauso wie ich verzaubert wurde. 😉

Rezension zu „Atlantia“ von Ally Condie

Nun ist auch die Februar-Challenge des Fischer Verlages bei Lovelybooks zu Ende und hier kommt meine Rezension zum zweiten Roman in diesem Jahr! 🙂

„Warum sollte sich irgendjemand dafür entscheiden, nach Oben zu gehen, wo man jung stirbt und schrecklich hart arbeiten muss? Ich beteiligte mich bei diesen Fragen nie, sondern behielt die lange Liste der Gründe für mich, die dafür sprachen, nach Oben zu gehen: Man kann die Sterne sehen. Man kann die Sonne auf dem Gesicht spüren. Man kann meilenweit gehen, ohne je an den Rand seiner Welt zu gelangen.“ (Zitat aus „Atlantia“ von Ally Condie, S. 12-13).

In dem Jugendbuch „Atlantia“ beschreibt Ally Condie eine neue Welt. Das Leben auf der Erde stand kurz vor dem Zusammenbruch. Deshalb erschufen Ingenieure und Minister eine Unterwasserstadt, in der es keinen Krieg und auch keine Zerstörung gibt. In diese neue Welt, durften nur ausgewählte Menschen. Einmal im Jahr zum Jahrestag der Trennung dürfen die Jugendlichen, die das Alter der Wahl erreicht haben, ihre eigene Entscheidung treffen: Oben oder Unten? Doch eine Regel gibt es, die dabei beachtet werden muss und die den beiden Zwillingsschwestern Rio und Bay zum Verhängnis wird: Eine Person aus jeder Vererbungslinie muss in Atlantia bleiben! Während Rio wiederwillig ihr Schicksal im Unten akzeptiert, spricht Bay die Worte „Ich wähle das Opfer im Oben“ und wird augenblicklich von Atlantia weggebracht. Werden die beiden Schwestern sich je wiedersehen? Und welche Rolle spielt ihre Tante Maire eigentlich dabei?

Taucht ein in die mysteriöse Unterwasserwelt Atlantia. Die Geschichte ist im Präsens geschrieben und wird aus der Sicht von Rio erzählt. Rios Ziel ist es, nach dem Tod ihrer Mutter nach Oben zu gelangen. Ihre Schwester Bay ringt ihr allerdings das Versprechen ab, im Unten zu bleiben. Stattdessen entscheidet Bay sich für Oben, was für Rio während der Zeremonie am Jahrestag der Trennung völlig überraschend und unvorhersehbar geschieht. Das wirft natürlich viele Fragen auf, es bleibt jedoch keine Zeit für die Zwillingsschwestern, sich voneinander zu verabschieden. Die Unterwasserwelt wird sehr detailliert und schön umschrieben. Alles wirkt sehr mystisch und geheimnisvoll. Jedoch ist es auf den ersten Seiten etwas gewöhnungsbedürftig, dass die Geschichte komplett im Präsens geschrieben ist. Teilweise wurde bei der Beschreibung der Charaktere etwas gespart und auch an Stellen, an denen es um viele Emotionen ging, blieb das Gefühl in den Zeilen manchmal aus. Gerade zu Anfang werden manche Szenen sehr ausführlich beschrieben, was gegen Ende hin allerdings stark nachlässt. Es werden zum Schluss auch nicht wirklich abschließend alle aufkommenden Fragen geklärt. Vieles bleibt offen und lässt einen weiterhin im Dunkeln tappen.

Letztendlich muss ich sagen, es fiel mir schwer, eine Beziehung zu den Charakteren aufzubauen. Ich kann mir nicht helfen, irgendetwas hat mir schlicht und ergreifend gefehlt. Schwer zu sagen, an was genau das lag. Ich schätze es fehlte das berüchtigte i-Tüpfelchen. Das Ende war mir genauso wie die Liebesgeschichte zwischen Rio und True etwas zu abgeflacht dargestellt. Da hätte ich mehr erwartet. Jemand, der mehr auf Schnulzen steht, ist mit dem Buch vielleicht nicht ganz so gut bedient. Auch die Wendungen einiger Figuren, wie z.B. die von Tante Maire, waren mir etwas zu schnell und zu unausgereift. Andererseits hat mich die Grundidee zweier Welten, eine davon unter Wasser, schwer begeistert. Wenn hierin der Schwerpunkt des Lesers liegt, kann er sich nicht beschweren. Hier gibt es viele liebevolle Akzente, die einen wunderbaren Grundgedanken über unsere Welt und das Miteinander verspielt und mystisch umschreiben. Zucker für die Fantasie!