Rezension zu „Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ von Lilly Lindner

Anfang des Jahres habe ich mich bei lovelybooks.de angemeldet. Ich hatte irgendwo verborgen in einem kleinen Werbefenster die Jahreschallenge des Fischerverlages entdeckt, weshalb ich dort letztendlich gelandet bin. Lovelybooks verlost regelmäßig Bücher und veranstaltet Leserunden an denen man teilnehmen kann. Also bewarb ich mich für die Challenge im Januar um das Buch von Lilly Lindner und hatte das große Glück, eine von 70 Auserwählten zu sein, die das Buch gewannen. An dieser Stelle vielen lieben Dank an den Fischer Verlag und das Team von Lovelybooks für die tolle Aktion. Es hat total Spaß gemacht, an der Leserunde teilzunehmen.

Hier nun meine Rezension zum Buch. 🙂

 

„Ich denke, wenn Gefühle mit den richtigen Worten auf Papier gemalt werden, berühren sie auch Menschen, die gar nichts mit der Geschichte zu tun haben.“ (Zitat aus „Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ von Lilly Lindner, S. 179).

In dem Roman „Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ von Lilly Lindner, geht es um zwei Schwestern, die sich in ihrer kleinen großen Welt gegenseitig Halt geben um eine Situation zu überstehen, für die sie beide eigentlich noch viel zu jung sind. Denn Phoebes große Schwester April hat Magersucht und muss in eine Klinik. Um ihre Schwester bei der Bewältigung ihrer Krankheit zu unterstützen und ihr nah sein zu können, schreibt Phoebe Briefe. Briefe, auf die sie nie eine Antwort erhält. Und da ist niemand, der die vielen Fragen beantwortet, denn selbst die Eltern sind völlig überfordert. Wird April wieder gesund? Und was ist das überhaupt für eine Krankheit? Ist sie ansteckend? Wie ist es dort, wo April jetzt ist? Und wann werden sich die beiden Schwestern wiedersehen?

Lilly Lindner beschreibt in ihrem Roman eindrucksvoll und authentisch, was die Krankheit Magersucht mit dem Erkrankten und seinem Umfeld macht. Die Geschichte wird in Form von Briefen erzählt. Das ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, man hätte es jedoch nicht besser umsetzen können. Der Schreibstil ist außergewöhnlich. Die Autorin sagt von sich selbst, sie setze Kommas an Stellen an denen sie atmet und sie setzt Punkte, obwohl der Satz noch nicht beendet ist. Schöne Lebensweisheiten werden in geschickten Wortspielen verpackt. (S. 17: „Schwestern müssen schließlich zusammenhalten, weil man zusammen viel mehr halten kann als alleine. Gerade, wenn man so viel zu tragen hat wie du, ist das wichtig.“) Ganz oft begegnet man auch zusammengesetzten Nomen, die liebevoll erklärt werden. (S. 167: „Wenn ich ein Wort wäre, dann wäre ich ein Bindungswort. Und dann würde ich so viele andere Wörter an mich binden, dass ich am Ende ein ganzer Satz wäre. Und dieser Satz würde alles über meine Bindungsfähigkeit aussagen.“). Die Art und Weise von Lilly Lindner mit Worten umzugehen, ist faszinierend und hat ihren ganz besonderen Charme. Jede Zeile hat mich sofort in ihren Bann gezogen und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Ich habe selten so gefühlvolle Texte gelesen, die so erbarmungslos ehrlich sind. Das öffnet die Augen und sensibilisiert für das Thema Magersucht. Vielleicht kommt es auch gerade deshalb so an, weil Lilly Lindner als Betroffene schreibt, mit Herz und Verstand und mit allem was sie hat. Die Charaktere – besonders Phoebe und April – wachsen einem so dermaßen ans Herz, dass es fast weh tut, sie am Ende der Geschichte loszulassen.

Für mich war das Buch eine echte Bereicherung, obwohl ich anfangs etwas verunsichert war, ob das Thema Magersucht wirklich an mich geht. Dabei geht es in dem Buch um so viel mehr, ich bereue keine einzige Seite. Stille hat für mich persönlich seither eine ganz neue Bedeutung bekommen. Das Buch hat mich zum Schmunzeln gebracht, nachdenklich gestimmt und zu Tränen gerührt, es hat mich schlicht und ergreifend einfach mitgerissen. Man überdenkt seine Sichtweisen auf bestimmte Dinge im Leben und allgemein bekommt man viele schöne Lebensweisheiten auf eine verspielte Art und Weise mitgegeben. Alleine der Sprachstil ist wirklich wahnsinnig toll. Unbedingt empfehlenswert!

 

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Willkommen auf meinem Blog

„Zu jeder bedeutenden Tat gehört eine gewisse Naivität, um nicht vor der Größe des Vorhabens zurückzuschrecken.“

Elsa Rentrop (1907-94), dt. Lyrikerin u. Aphoristikerin

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Tiniwiniii